Digitalisierung in der Fort- und Weiterbildung – die systemische Community ist auf dem Weg

Mit etwas Verzögerung kommt meine Nachlese zu den vielfältigen Eindrücken zu Fragen der Digitalisierung der Fort- und Weiterbildung im Bereich der systemischen Beratung und Therapie. Die DGSF als führender systemischer Fachverband hatte hierzu eine Weiterbildungsveranstaltung durchgeführt, an der wir das Thema in Vorträgen und Wokshops vielfältig diskutiert haben. Besonders gefreut hat mich dabei, dass das Thema so lebendig aufgenommen wurde. Diese neugierige Aufnahme ist aus meiner Sicht nicht selbstverständlich, denn viele Fachkolleg*innen können das Wort Digitalisierung durchaus zurecht nicht mehr hören, weil es an vielen Stellen bis zur vollkommenen Inhaltsleere aufgebläht wird. An unserem Fachtag standen deshalb sehr konkrete Fragen im Zentrum: Zum einen haben wir uns digitale Darreichungsformate systemischer Beratung angesehen, wie sie in der Onlineberatung schon an vielen Stellen üblich sind, zum anderen Fragen der Ausbildung bearbeitet.

Emily Engelhardt bei der Keynote zu Onlineberatung

In der sehr lebendigen Diskussion nach der Keynote von Emily Engelhardt zu Onlineberatung wurden sowohl zukunftsoptimistische, aber auch die wichtigen kritischen Stimmen zu digitalen Beratungsformaten deutlich. Neben der als gesichert geltenden Akzeptanz und Verbreitung von Onlineberatung werden zukünftig neue Fragen auftauchen: Wie gehen wir z.B. mit Befunden um die zeigen, dass Hilfe auch ohne direktes menschliches Gegenüber wirksam sein kann, z.B. in Form von Self-Guiding-Beratungsprogrammen? Wie stellen wir uns auf mögliche Anwendungen von Algorithmen und KI in der psychosozialen Versorgung ein, z.B. in der Gefährdungsabschätzung im Bereich des Kindeswohls? Wie können wir bewährte systemische Techniken (z.B. der zirkulären Befragung) medial anreichern? Lassen sich dazu z.B. Videoformate nutzen, in denen Familienangehörige Clips erstellen, die dann wechselseitig zirkulär kommentiert werden können? Immer mitlaufend bei dieser Diskussion war dabei nicht nur die Frage, ob und wie digitale Beratungsformate Sinn ergeben, sondern auch, welche Kompetenzen dafür notwendig sind und ihren Niederschlag in Ausbildungsrichtlinien finden müssen. Auch hier ist das reflexive Potential der systemischen Community wichtig und notwendig, weil z.B. immer noch nicht klar ist, ob Onlineberatung eine Methode oder ein Arbeitsfeld in der psychosozialen Versorgung darstellt und wie Handlungskompetenzen curricular zu dieser Frage verortet werden sollten. Und schließlich – eines meiner Lieblingsthemen – war damit auch die Frage gestellt, wie das Lehren und Lernen in der systemischen Fort- und Weiterbildung selbst digital angereichert werden kann. Grundlegende anthropologische Fragen drängen sich hier in ähnlicher Form wie bei der Onlineberatung auf: Wann ist welche Form von Begegnung (medial vermittelt oder kopräsent) in der Lehre wichtig und sinnvoll? Wann spielt die Kombination von digitalen Formaten und Präsenzlehre ihre Stärken aus? Wie ließe sich das entlang der vorhandenen Richtlinien jetzt schon denken und wo müssen Weichen für die Zukunft gestellt werden? Absolut gefreut hat mich dabei zu sehen, wie weit einige Institute bereits sind – mit Lernplattformen und vielfältigen, vor allem videobasierten, Formaten.

Materialeinsatz für das Videolearning – das Wichtigste passt schon in einen kleinen Koffer.

In meinem Workshop ging es genau darum, und ich habe neben der Vorstellung konkreter Möglichkeiten durch verschiedene Formen von Videoeinsatz vor allem auch versucht zu vermitteln, dass es didaktische Überlegungen braucht, wenn digitale Lehr-Lernformate sinnvoll und nicht nur irgendwie schick und modern sein sollen. Entlang des Inverted Classroom Mastery Models von Jürgen Handke (Uni Marburg) sind wir diesen Herausforderungen auf den Grund gegangen und haben schließend überlegt, wie unterschiedlich vorerfahrene Lehrende einsteigen können – mit konkreten „Rezepten“ und Tipps für Anfänger*innen, Dranbleiber*innen und Expert*innen (Foliensatz ist hier). Dabei ist mir besonders wichtig zu vermitteln, dass Videolernmaterialien immer zum Kontext passen müssen. Nicht immer (man könnte sogar sagen: nur in wenigen Fällen) sind aufwendig gedrehte Clips (z.B. mit Greenscreen-Technik) das Mittel der Wahl. Warum nicht die schöne Institutskultur mit einfangen und Impulsvorträge so filmen, wie sie auch in der Kurssituation gehalten werden – im Gruppenraum und mit den sorgfältig gestalteten „analogen“ Flipcharts?

Digitale Fort- und Weiterbildungsformate reizen zur Diskussion

Neben all den konkreten Fragen haben wir auch aber auch darüber geredet, ob die Digitalisierung der Fort- und Weiterbildung auf organisationaler und institutioneller Ebene eher Chancen oder eher Risiken birgt, sich z.B. neue Konkurrenzen bilden oder im Gegenteil weitere Kooperationen entstehen.

Auch die Ikone der Digitalisierung, ein iPad, verhindert nicht, was schon immer das Wichtigste war: Ein gepflegtes Gespräch von Mensch zu Mensch, hier Jochen (Leucht, tandem Freiburg) und Jochen (Schweitzer, hsi Heidelberg).

Ich persönlich glaube, dass gute Blended-Learning-Konzepte dazu führen, dass Institute als konkrete Orte weiterhin der Kernpunkt systemischer Weiterbildung bleiben. Aber kombiniert mit digitalen Innovationen, z.B. Videokonferenz-Kurzbesuchen zu Spezialthemen (analog zu Ring-a-Scientist) zusätzlich zum bewährten kopräsente Gastdozent*innen-System, gemeinsam genutzten Lehrvideos oder gar dem Teilen von Aufgaben- und Reflexionsformaten auf einer verbandsinternen und instituteübergreifenden Lernplattform könnten wir alle gemeinsam noch mehr von digitalen Lehr-Lern-Formaten profitieren. Ich freue mich jedenfalls auf die kommenden Entwicklungen und bin gespannt, wie sie aussieht, die digital angereicherte Weiterbildung DGSF 2040 ;-).

Statements zum Thema Digitalisierung nach unserem Fachtag

Neugierde, Begeisterung und konstruktive Kritik kam auch bei den Videostatements rüber – dem Programm des Fachtages folgend haben wir einfach die Kamera aufgestellt und um Eindrücke gebeten.


Beratungslernen sichtbar machen: das Modellcurriculum der DGSF

Reflexionsberichte, Selbst- und Fremdeinschätzungsbögen und Videos, jede Menge Videos: Beratungslernen sichtbar machen durch das Modellcurriculum der DGSF.

Manchmal gibt es auch in der stressigen Vorweihnachtszeit im Hochschulalltag noch Nischen, in denen die wissenschaftliche Passion Platz hat. Eine dieser Nischen ist die Arbeit an und mit dem Modellcurriculum der DGSF (nachlesbar in der Verbandszeitschrift hier auf S. 38). Mit diesem Modellprojekt hat die DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) als einer der größten deutschen Beratungsfachverbände etwas angepackt, was längst überfällig ist: Das papierlastige und aus vielen Gründen wenig sinnvolle traditionelle Zertifikatswesen durch etwas zu ersetzen, das tatsächlich Lern- und Bildungsprozesse angehender systemischer Beratungsfachkräfte unterstützt. Viel besser als das Ausfüllen gewaltiger Tabellen über absolvierte Beratungskontakte und das Verfassen von Fallberichten ist nämlich erwiesenermaßen das Lernen mit Videofeedback zum eigenen Beratungshandeln und das Kriterien geleitete Nachdenken über den eigenen Beratungskompetenzzuwachs. Nur so entstehen die aus Sicht der Expertiseforschung dringend benötigten Rückkopplungsschleifen, die Wissenserwerb, übende Praxis und Reflexion in einen engen Zusammenhang bringen. Und es macht große Freude, dieses Lernen als Lehrender mitbegleiten zu dürfen. Ich habe diese Woche den ersten Stapel Videos von Masterstudent*innen aus unserem systemischen Beratungsmaster anschauen dürfen und auf dieser Basis Reflexionsgespräche geführt. Das wirkliche coole daran ist, dass die Studierenden Videos aus Ihren Beratungen machen, die TBKS als Reflexionsgrundlage mit Selbst- und Fremdeinschätzung nutzen und einen Reflexionsbericht über das eigene Lernen verfassen. Eine bessere Grundlage für Gespräche, die einen Unterschied machen, kann es gar nicht geben. Und nahezu beiläufig entsteht das, was mich in der Forschung umtreibt: Wie lässt sich nämlich Professionalisierung als Bewältigung individueller Entwicklungsaufgaben fassen, die dann in das münden, was subjektorientierte Professionalisierung ausmacht: Ein Lern- und Bildungsweg, in dem Studierende sich Beratung erschließen und selbst für Beratung erschlossen werden. In den Gesprächen zum Modellcurriculum, so mein Eindruck, können unsere Lerner*innen tatsächlich solche Aufgaben identifizieren und es interessiert mich brennend, wie diese sich über den Professionalisierungsprozess hinweg beschreiben lassen und verändern. Kommt Zeit, kommt noch mehr Forschung zu diesem Thema :-).

Das Modellcurriculum ist derzeit zunächst für eine begrenzte Zeit etabliert – im kommenden Jahr setzen wir uns innerhalb der DGSF mit den gemachten Erfahrungen auseinander. Auf der organisatorischen Ebene gibt es dabei viel zu besprechen – das Aufnehmen der Videos, ein gangbarer Datenschutz etc., das alles kostet viel mehr Zeit als das herkömmliche Zertifikatswesen und will gut überlegt sein. Die Effekte auf die Lern- und Bildungsprozesse hingegen halte ich für durchgängig sehr positiv. Ich hoffe, dass ich noch zu einer kleinen Studie komme, in der ich die Teilnehmer*innen unserer Hochschule im Rahmen einer Gruppendiskussion zu den Erfahrungen mit ihrem Videolernen befragen kann. Im so rekonstruierten konjunktiven Erfahrungsraum läge neben der Datengenerierung für die Forschung im besten transdisziplinären Sinne auch eine potentielle Anregung, das Lernen mehr und mehr in einer Community of Practice sich selbst organisieren zu lassen.

In einem der kommenden Blogposts wird es deshalb auch um meine Ideen zum DGSF-Institut der Zukunft gehen und wie sich Weiterbildung verändern kann und muss. Ich stelle mir das, evidenzbasiert, sehr radikal anders vor als die in den meisten Instituten vorherrschende Flipchartisierung eines Beratungsansatzes, der doch vor allem aus einer (wie man heute sagen würde) disruptiven Bewegung entstanden ist.


Wie werden systemische BeraterInnen kompetent? WSBT-Studie der DGSF und EHD verlängert :-)

Was passiert eigentlich genau mit dem Wissen in den Köpfen, wenn Fachkräfte eine Beratungsweiterbildung absolvieren und übend-praktizierend tätig sind? Unsere WSBT-Studie (Wissensbildung in der systemischen Beratung und Therapie) hat in der ersten Projektphase (Artikel als Open Access hier) hierzu schon spannende Ergebnisse geliefert die zeigen, dass der Wissenserwerb in der systemischen Beratung so verläuft wie in anderen komplexen Tätigkeiten auch. Das klingt zunächst nach einem unspektakulären Befund, ist aber deshalb brisant, weil Fragen zur Kompetenzentstehung bei Beratungsfachkräften generell wenig untersucht sind. Bezogen auf Weiterbildungswirkungsforschung können sie als nahezu unerforscht gelten. Das ist umso problematischer, als dass in der Beratungs- und Therapieforschung seit einiger Zeit eine Trendwende eingesetzt hat: Wesentlich stärker als bisher steht das Beratungshandeln von mehr oder weniger kompetenten Fachkräften im Fokus, und weniger die Beforschung einzelner  Techniken und Methoden, wie sie in der vergleichenden Beratungs- und Therapieforschung lange Zeit üblich war. Daraus folgt, dass  mit diesem Trend auch neue Formen der Erforschung von Wissensbildungsprozessen entwickelt werden müssen – wozu unsere Studie  einen wichtigen Beitrag leistet. Wir freuen uns deshalb sehr, dass die DGSF die Förderung der zweiten Projektphase genehmigt hat und wir in bewährter Manier an der EHD mit den bereits erhobenen Daten weiterarbeiten können. Während in der ersten Auswertung der beschreibende Überblick in der Erstauswertung im Fokus stand, können wir nun mit den gesamten Raffinessen der multivariaten Statistik Zusammenhängen in den Daten nachgehen – gut, dass wir an der EHD mit BildungsforscherInnen vernetzt sind, die gemeinsam mit uns Antworten zu diesen Fragen suchen.

Open Access :-) – WSBT-Studie der EHD (finanziert durch die DGSF) ist online

Die DGSF unterhält ein tolles Wissensportal mit Studien zu systemischen Themen. Der neueste Zugang ist der erste Artikel aus unserer an der EHD durchgeführten WSBT-Studie (Wissensbildung in der Systemischen Beratung). Er ist im Kontext erstpubliziert  und wurde nun als ausgewählter Open Access-Beitrag von der DGSF frei im Netz veröffentlicht: Hier ist er (Henrich und Weinhardt, 2018) – viel Spass bei Lesen!

Neuer Artikel: Wie kommt das Beratungswissen in die Köpfe und was passiert darin damit?

Erscheint als: Henrich, Marlene; Weinhardt, Marc: Wissensbildung in der Systemischen Beratung und Therapie in: Kontext 49, (2), S. 107-123

Im kommenden Kontext erscheint der erste Artikel aus unserer WSBT-Studie (Wissensbildung in der Systemischen Beratung und Therapie). Sie wird an der EHD an der School of Professional Studies durchgeführt und von der DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) finanziert. Wir haben in dieser Studie einen ersten wichtigen Schritt in Richtung Weiterbildungswirkungsforschung im systemischen Feld gemacht. Zugrundegelegt haben wir dabei zentrale Annahmen aus der Expertiseforschung, denen gemäß das Wissen sich mit steigendem Weiterbildungserfolg nicht nur vermehrt, sondern sich auch in spezifischer Weise verändert. Zur Erforschung dieser Phänomene haben wir 30 (angehende) systemischen Fachkräften aus drei Erfahrungsstufen untersucht: NovizInnen am Beginn der Weiterbildung, Fortgeschrittene am Ende der 2-bis dreijährigen Weiterbildung und ExpertInnen, die ihre Weiterbildung bereits vor zehn oder mehr Jahren abgeschlossen haben und systemisch aktiv sind.

Ihnen haben wir sogenannte Prompting-Tasks vorgelegt – zentrale Begriffe („Prompts“) aus dem systemischen Denken. Anschließend durften die Befragten laut Denken und dabei alles äußern, was ihnen zu diesem Begriff einfällt. Im Anschluss haben wir dann für jeden der vorgelegten Begriffe die erlebte Erfahrungstiefe auf einer Skala erfasst.

Und was kam raus? Zunächst einmal das beruhigende: Die Entstehung systemischer Beratungsexpertise lässt sich so gut abbilden und entspricht auch in unseren Daten weitgehend den Vorannahmen: Bei steigender Erfahrungstiefe kommt es zu Amalgamierungsprozessen zwischen deklarativem Wissen und reflektiertem Fallwissen, was zu einer Wissensbasis führt, die bei Fortgeschrittenen und Expert*innen jeweils spezifisch anders ist als bei den vorhergehenden Erfahrungsstufen und sich im qualitativen Datenmaterial sehr anschaulich ausdrückt – also auf welche Weise und in welcher Menge Wissen nach den Prompts aktiviert wird.

In der kommenden Zeit wollen wir diesen Datensatz noch vertiefter auswerten. Das reizvolle an dieser Forschung ist zudem, dass die Instrumente sowohl für die Forschung, als auch für Weiterbildung selbst genutzt werden könnten – so lässt sich die Prompting-Task-Aufgabe beispielsweise auch in einer Partner*innenarbeit durchführen, an deren Ende dann nicht die forschende Auswertung der Daten steht, sondern ein reflektierender Dialog über das sich abzeichnende systemische Wissen. Und schließlich – das ist ein eher mittelfristiges Ziel – wollen wir überprüfen, ob die so erfassten Wissenszuwächse sich mit Performanz orientierten Daten aus unserem BeraLab korrelieren lassen. Wenn dies so wäre, läge ein empirisch abgesicherter Indikator für Beratungskompetenz vor, der für eine wissenschaftlich begründete und gemäßigt evidenzorientierte Weiterbildung hoch spannend wäre.

Neues Forschungsprojekt der EHD und der DGSF: Systemische Kinder- und Jugendhilfe

Neues Forschungsprojekt der EHD und der DGSF in der Kinder- und Jugendhilfe: EVASYKO

Welche systemischen Konzepte kommen in der Kinder- und Jugendhilfe zum Einsatz? Sind dies vor allem bewährte, aus der Literatur bekannte Vorgehensweisen? Oder sind für den Anwendungsfall der Kinder- und Jugendhilfe auch neue Vorgehensweisen entstanden? Und wie sind solche systemischen Methoden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bisher erforscht?

Diesen und anderen Fragen gehen wir in einer neuen Studie (EVASYKO, Evaluation systemischer Konzepte in nicht heilkundlichen Kontexten) nach, in der wir systematisch entlang der für die Soziale Arbeit adaptierten Evidenzkriterien (Otto, Polutta und Ziegler 2010) alle auffindbaren Projekte sammeln und den so entstehenden Korpus unterschiedlichen Wissens zu systemischem Handeln in der Kinder- und Jugendhilfe analysieren und rekonstruieren. Die Studie wird an der School of Professional Studies der EHD (Evangelischen Hochschule Darmstadt) durchgeführt und von der DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) finanziert. Die Untersuchung leistet damit einen wichtigen Beitrag, die Soziale Arbeit, mit der sich systemisches Denken vor allem in Deutschland gemeinsam erfolgreich gemeinsam entwickelt hat, nach der Debatte um die sozialrechtliche Anerkennung als Psychotherapieverfahren wieder vermehrt in den Blick zu nehmen.

So entsteht im besten Fall eine Landkarte gelingender systemischer Praxis als wertvolle Wissensbasis für die Praxis selbst, aber auch für weitere Forschung und die (Verbands)politik. Die Daten – von reflektiertem Einzelfallwissen bis zur kontrolliert-randomisierten Studie ist für uns alles interessant – erheben wir derzeit. Schon jetzt ist klar: Viele systemische Perlen schlummern bisher unerkannt, so dass wir in der kommenden Kontext-Ausgabe auch noch einmal einen Aufruf, der sich gezielt an die systemische Praxis wendet, veröffentlichen. Wer mag, kann ihn unter diesem Blogbeitrag schon einmal durchlesen.

Und mich freut außerordentlich, dass das bewährte Team aus Marlene Henrich (wiss. Mitarbeit) und Christina Dietrich (wiss. Hilfskraft) nun durch Rebecca Hilzinger (wiss. Mitarbeit) verstärkt wird – womit die systemische Expertise nun auch gleich dreifach im Forschungsteam vertreten ist.

 

Unser Aufruf zur Mitarbeit (erscheint auch in der kommenden Kontext-Ausgabe):

Die DGSF hat ein Forschungsprojekt angestoßen, das im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und Sozialen Arbeit untersucht, welche systemischen Konzepte und Interventionen zum Einsatz kommen. Das Projekt „Evasyko“ (Evaluation systemischer Konzepte psychosozialer Versorgung in nicht heilkundlichen Kontexten) wird von der DGSF finanziert und von Marc Weinhardt (Professor für Psychosoziale Beratung an der Evangelischen Hochschule Darmstadt) geleitet. Die Forschung soll die Vielzahl der systemischen Arbeitsweisen erfassen, etwa Modellvorhaben mit systemischem Gedankengut (z. B. Familienklassenzimmer) oder Projekte welche, systematisches Denken nutzen, um Regelangebote weiter zu professionalisieren (z. B. im Netzwerk frühe Hilfen, in systemischen E/L-Schulen). Solche Konzepte sind aktuell kaum systematisiert, noch gibt es Metastudien, die diese vielfältigen Angebote beschreiben. Die Projektmitarbeiterinnen Rebecca Hilzinger und Marlene Henrich sind für alle Hinweise zu systemischen Konzepten psychosozialer Versorgung in nicht heilkundlichen Kontexten dankbar.

Kontakt: Marlene Henrich, marlene.henrich@eh-darmstadt.de.

Wissensbildung in der Systemischen Beratung und Therapie – neue Studie gestartet

Diese Woche beginnt die Arbeit an einer neuen Studie, auf die ich mich lange gefreut habe: In der von der DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) finanzierten Untersuchung interessieren wir uns für die Frage, wie und und in welcher Form (zukünftige) systemische Fachkräfte in und durch ihre Weiterbildung gemäß des Curriculums der DGSF einen Wissenszuwachs erfahren. WSBTDie Studie ist im klassischen NovizInnen-ExpertInnen-Paradigma angelegt und wir interessieren uns im ersten Schritt für die Phase zwischen Beginn und Abschluss der Fort- und Weiterbildung zum/zur Systemischen BeraterIn (DGSF).

Unter der übergeordneten Frage der Professionalisierung von psychosozialen Fachkräften rücken damit Effekte von Fort- und Weiterbildung in Beratung und Therapie in den Fokus, die bisher wenig systematisch untersucht sind. Eine vernnünftig betriebene Weiterbildungsforschung kann in diesem Bereich den Diskurs um die Wirksamkeit von Methoden und Verfahren sicherlich bereichern.

Eine ausführliche Projektbeschreibung findet sich auf Researchgate.