KES (Kompetenzerwerb in der Systemischen Beratung)

KES steht für Kompetenzerwerb in der Systemischen Beratung. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt beantwortet folgende Fragen:

(a) Welche Rolle spielen Vorerfahrung und weitere personenbezogene Hintergrundvariablen (z.B. Persönlichkeitsmerkmale und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen) im Beratungskompetenzwerb?

(b) Welche Lern- und Bildungseffekte entstehen aus den Komponenten Theorievermittlung, Übung und Reflexion?

KES integriert unter einer transdisziplinären Perspektive sowohl die Bildungs- als auch die Forschungskomponente im Rahmen einer innovativen Lehrveranstaltung und befasst sich mit den ersten Schritten im Beratungskompetenzerwerb von Studierenden (Beratungsnovizen) an der Hochschule. Teilnehmende Studierende absolvieren ein Kompaktseminar zu systemischer Beratungskompetenz.

Beratungsgespräche mit trainierten Simulationsklienten

Das Seminar beinhaltet zwei Übungsgespräche mit ausgebildeten SimulationsklientIinnen (vgl. Widulle 2012; Wündrich et al. 2008; Schultz et al. 2007), die prototypische Beratungsfälle aus der Sozialen Arbeit darstellen. Ein Kompaktwochenende dient der fertigkeitsorientierten Vermittlung und Reflexion systemischer Beratungskompetenz auf Grundlage der in den Gesprächen mit den SimulationsklientInnen gemachten Erfahrungen. Ein Teil der Studierenden absolviert dieses Kompaktwochenende zwischen den beiden Gesprächen, der andere Teil nach den beiden Gesprächen. Die Gespräche werden videographiert und  den teilnehmenden Studierenden nach Abschluss des Seminars zum selbständigen
Weiterlernen überlassen.

Die Forschungskomponente besteht zum einen aus einem Basisfragebogen, den alle Teilnehmenden zu Beginn der Veranstaltung bearbeiten. Er erhebt die allgemeine Selbstwirksamkeit (Jerusalem/Schwarzer 1995), zentrale Persönlichkeitsmerkmale nach
dem Konzept der Big Five (BFI-S, Gerlitz/Schupp 2005), Vorerfahrungen, Studienverlauf und soziodemographische Variablen. In jedem Durchlauf der Veranstaltung werden weitere Vertiefungsfragen mit aufgenommen. Zum anderen werden die Videographien aus den Gesprächen mit den SimulationsklientInnen ausgewertet. Die Beforschung dieses Materials erfolgt mit der TBKS ( Tübinger Beratungskompetenz-Skala), einer adaptierten Version der US-amerikanischen Counseling Skills Scale (CSS) von Eriksen und McAuliffe (2003, 2006).

Für die nähere Zukunft ist die Integration und Untersuchung eines mediengestützten Falllaboratoriums zur Reflexion in Ergänzung zum Üben mit den Simulationsklienten und der Theorievermittlung im Seminar vorgesehen. Im Rahmen einer strukturierten Onlinelernumgebung können teilnehmende Studierende ihre gemachten Erfahrungen entlang beratungswissenschaftlicher Kriterien bilanzieren.