Beratungsfachkräfte und ihre Internetnutzung: Ist die Beratungsszene „drin“? – Erste Ergebnisse der BerIn-Studie

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Wie nutzen Beratungsfachkräfte Onlinemedien? Bild: RachelScottYoga/pixabay

Wie nutzen Beratungsfachkräfte das Internet? Diese Frage haben wir im Forschungsprojekt BerIn (Beratungsbedingte Internetnutzung) untersucht. Zwar steht die generelle Internetnutzung in der BRD seit einiger Zeit unter Dauerbeobachtung (z.B. durch die jährlich durchgeführte ARD/ZDF Onlinestudie). Hier zeigt sich, dass die Onlinenutzung immer mehr die Sättigungsgrenze erreicht und ständig neue Dienste und Mediengenerationen hinzukommen.

Zur Gruppe der psychosozialen Beratungsfachkräfte gibt es bisher aber wenig Daten darüber, wie sie das Internet nutzen. Das ist aus mehreren Gründen eine bedauerliche Forschungslücke. Zum einen gibt es die seit Jahren boomende Entwicklung bezüglich der Internetberatung, die als Mail/Chat/Video-Beratung fester Bestandteil der Hilfelandschaft geworden ist. Zum anderen gibt es bestimmte Grundannahmen bzw. Forschungsbefunde, die vor allem personennahen Dienstleistungen eine gewisse Technikferne unterstellen, wie sie bis heute in der Sozialen Arbeit zu finden ist – was in gewissem Widerspruch zu den stellenweise stark expandierenden Internetberatungsangeboten steht.

In einer Forschungskooperation haben wir an der EHD zusammen mit Kolleg*innen der TH Nürnberg die Nutzung von Onlinemedien durch Beratungsfachkräfte untersucht. Als Zugang haben wir den Verteiler der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) gewählt und den für unsere Studie rekrutierten Beratungsexpert*innen einen Onlinefragebogen vorgelegt.


Unterschiede zwischen privater und beruflicher Mediennutzung von Beratungsfachkräften, Effektstärke dcohen , n=156

Und was kam raus? Beratungsfachkräfte sind privat durchaus Viel- und Intensivnutzer*innen, während die berufliche Nutzung gemessen am privaten Gebrauch deutlich weniger intensiv ist. Mit diesen Daten lassen sich jetzt einige zentrale Hypothesen vertiefend prüfen: Ist dieser Effekt von anderen Variablen, z.B. dem Lebensalter, dem Wohnort oder sonstigen Einflüssen abhängig? Und was erhoffen sich diejenigen Beratungsfachkräfte, die „drin“ sind, von der Onlinenutzung? Wird hier die Logik von Präsenzdiensten im virtuellen Raum verdoppelt? Gibt es Ideen zu neuen Beratungskonzepten?

Neben der ersten Auswertung, die ich hier zeige, folgen Antworten und Reflexionsimpulse für die digitale Professionalisierung Sozialer Arbeit in einem Zeitschriftenbeitrag im e-beratungsjournal, der bald erscheint. Das war eine längere, aber durchaus lohnende koordinative Mammutleistung: Mitgeforscht und mitgeschrieben haben Emily Engelhardt, Marlene Henrich, Richard Reindl, Siegrid Zauter und Christina Dietrich – neben den Profs aus Nürnberg und Darmstadt waren damit auch unsere wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und unsere Forschungspraktikantin aktiv eingebunden. Das war insofern spannend und nützlich, weil das Medienthema immer auch ein Generationenthema ist – in der Wissenschaft und in der Praxis Sozialer Arbeit.

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