Open Access :-) – WSBT-Studie der EHD (finanziert durch die DGSF) ist online

Die DGSF unterhält ein tolles Wissensportal mit Studien zu systemischen Themen. Der neueste Zugang ist der erste Artikel aus unserer an der EHD durchgeführten WSBT-Studie (Wissensbildung in der Systemischen Beratung). Er ist im Kontext erstpubliziert  und wurde nun als ausgewählter Open Access-Beitrag von der DGSF frei im Netz veröffentlicht: Hier ist er (Henrich und Weinhardt, 2018) – viel Spass bei Lesen!

Neuer Buchbeitrag: Wirkfaktororientierte Kompetenzentwicklung in der systemischen Beratung

Wir hatten Spaß beim Vortragen auf der ISR 2017 – Systemiker*innen sind ein tolles Publikum (mit Petra Bauer, Uni Tübingen)

Maria Brosca, Matthias Ochs und Jochen Schweitzer geben den Tagungsband zur letzten International Systemic Research Conference 2017 in Heidelberg heraus. Petra Bauer und ich haben gemeinsam dort vorgetragen. Unser Buchbeitrag (Foliensatz hier auf Moodle) ist gerade fertig geworden.

Und was steht drin?

Unser Artikel geht der wichtigen Frage nach, welche didaktischen Konsequenzen die Veränderungen hin zur Wirkfaktororientierung in der Beratungsforschung haben. Wenn nämlich, wie diese Forschung eindrücklich zeigt, übergeordnete Konstrukte wie Beziehungsgestaltung und Ressourcenaktivierung das sind, was „wirkt“, und unterschiedliche Methoden und Techniken hier zu ähnlichen Ergebnissen kommen – wie geht man damit dann in der Weiterbildung um? Alles mit allem kombinieren? Exemplarisch lehren? Wir kommen hier zu dem Schluss, dass die Wirkfaktororientierung bezüglich der didaktischen Gestaltung gerade nicht zu einem wilden Eklektizismus führen sollte. Gerade weil sie empirisch sehr klar nachweist, dass unterschiedliche Verfahren sehr ähnlich bei der Adressat*innen wirken, lassen sie sich nicht beliebig hinsichtlich des Lernens kombinieren. Sonst entsteht Verwirrung und die von Lerner*innen in den ersten Jahren nicht bewältigbare Aufgabe, sich widersprechende Ansätze irgendwie im eigenen Kopf verbinden zu müssen.

Wichtig sind zwei Dinge: Angehende Beratungsfachkräfte müssen sich für dasjenige Verfahren entscheiden, dass am besten zu ihnen passt – hier ist noch viel Luft nach oben, Stichwort Weiterbildungsberatung und vielleicht auch Weiterbildungsassessment. Wenn es dann um die Aneignung dieses Verfahrens geht, müssen die Lernwege anschließend stark differenziert werden – wir plädieren hier für ein Modell individueller Entwicklungsaufgaben, d.h. der ständig im Lernprozess mitlaufenden Klärung was schon gekonnt wird (mit/ohne Unterstützung) und was darauf aufbauend die nächsten Schritte zu einem möglichst umfassenden Kompetenzerwerb sind. Dieses Vorgehen hat starke Schnittstellen zum Thema Weiterbildungsdidaktik und Weiterbildungswirkungsforschung, die bisher in Beratung und Therapie wenig entfaltet ist. Aber wir arbeiten ja daran – bei uns an der EHD und an anderen Standorten in einem übergreifenden Netzwerk zu diesem neuen und zukunftsweisenden Thema, das auch von den Beratungsverbänden mehr und mehr konstruktiv aufgegriffen wird.

Unser Artikel wird gerade übersetzt – der Band (bei Vandenhoek & Ruprecht) wird aufgrund der konsequent internationalen Ausrichtung der Tagung komplett auf Englisch publiziert werden und in einigen Monaten erscheinen.

Neuer Artikel: Wie kommt das Beratungswissen in die Köpfe und was passiert darin damit?

Erscheint als: Henrich, Marlene; Weinhardt, Marc: Wissensbildung in der Systemischen Beratung und Therapie in: Kontext 49, (2), S. 107-123

Im kommenden Kontext erscheint der erste Artikel aus unserer WSBT-Studie (Wissensbildung in der Systemischen Beratung und Therapie). Sie wird an der EHD an der School of Professional Studies durchgeführt und von der DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) finanziert. Wir haben in dieser Studie einen ersten wichtigen Schritt in Richtung Weiterbildungswirkungsforschung im systemischen Feld gemacht. Zugrundegelegt haben wir dabei zentrale Annahmen aus der Expertiseforschung, denen gemäß das Wissen sich mit steigendem Weiterbildungserfolg nicht nur vermehrt, sondern sich auch in spezifischer Weise verändert. Zur Erforschung dieser Phänomene haben wir 30 (angehende) systemischen Fachkräften aus drei Erfahrungsstufen untersucht: NovizInnen am Beginn der Weiterbildung, Fortgeschrittene am Ende der 2-bis dreijährigen Weiterbildung und ExpertInnen, die ihre Weiterbildung bereits vor zehn oder mehr Jahren abgeschlossen haben und systemisch aktiv sind.

Ihnen haben wir sogenannte Prompting-Tasks vorgelegt – zentrale Begriffe („Prompts“) aus dem systemischen Denken. Anschließend durften die Befragten laut Denken und dabei alles äußern, was ihnen zu diesem Begriff einfällt. Im Anschluss haben wir dann für jeden der vorgelegten Begriffe die erlebte Erfahrungstiefe auf einer Skala erfasst.

Und was kam raus? Zunächst einmal das beruhigende: Die Entstehung systemischer Beratungsexpertise lässt sich so gut abbilden und entspricht auch in unseren Daten weitgehend den Vorannahmen: Bei steigender Erfahrungstiefe kommt es zu Amalgamierungsprozessen zwischen deklarativem Wissen und reflektiertem Fallwissen, was zu einer Wissensbasis führt, die bei Fortgeschrittenen und Expert*innen jeweils spezifisch anders ist als bei den vorhergehenden Erfahrungsstufen und sich im qualitativen Datenmaterial sehr anschaulich ausdrückt – also auf welche Weise und in welcher Menge Wissen nach den Prompts aktiviert wird.

In der kommenden Zeit wollen wir diesen Datensatz noch vertiefter auswerten. Das reizvolle an dieser Forschung ist zudem, dass die Instrumente sowohl für die Forschung, als auch für Weiterbildung selbst genutzt werden könnten – so lässt sich die Prompting-Task-Aufgabe beispielsweise auch in einer Partner*innenarbeit durchführen, an deren Ende dann nicht die forschende Auswertung der Daten steht, sondern ein reflektierender Dialog über das sich abzeichnende systemische Wissen. Und schließlich – das ist ein eher mittelfristiges Ziel – wollen wir überprüfen, ob die so erfassten Wissenszuwächse sich mit Performanz orientierten Daten aus unserem BeraLab korrelieren lassen. Wenn dies so wäre, läge ein empirisch abgesicherter Indikator für Beratungskompetenz vor, der für eine wissenschaftlich begründete und gemäßigt evidenzorientierte Weiterbildung hoch spannend wäre.