Neuer Buchbeitrag: Soziale Arbeit und Erwachsenenbildung – Schnittpunkt Professionalisierungsforschung

Große Unterschiede zu Beginn eines Beratungsseminars aus 16 LernerInnen bezüglich bereits vorhandener Teilkompetenzen in der psychoszialen Beratung – mit daraus resultierenden unterschiedlichen Entwicklungsaufgaben

Die Sektion Erwachsenenbildung der DGfE (Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft) gibt einen feinen Sammelband (Dörner, Iller, Maier-Gutheil, Schiersmann, Schüßler, i.E.) im Budrich-Verlag anlässlich der vergangenen Tagung 2017 in Heidelberg heraus. Ich hatte mich sehr gefreut, dass drei Beiträge aus meinen Forschungsteams dort vertreten waren. Aus einem Vortrag ist ein Buchbeitrag entstanden, der gerade den Peerreview und das letzte Feintuning erfolgreich durchlaufen hat. Er ist an einer für mich zunehmend interessanter werdenden Schnittstelle angesiedelt, nämlich zwischen Sozialer Arbeit und Erwachsenenbildung. Als Sozialpädagoge tummelt man sich ja zunächst in der heimischen Subdisziplin, auch was Ansätze in der Professionalisierungsforschung angeht. Die ist in der Sozialen Arbeit nicht stringent entwickelt: Neben teilweise sehr starken Theoriepositionen mit nicht selten hohem normativem Gehalt gibt es nur wenige empirische Beiträge. Das liegt aus meiner Sicht auch daran, dass viele Theorien, die z.B. den Subjektstatus von Menschen im Kontext Sozialer Arbeit adressieren, damit oft nur die AdressatInnen meinen. Durchaus werden hier auch Aspekte von formaler, non-formaler und informeller Bildung behandelt – so lassen sich fast alle Prozesse in der Sozialen Arbeit (z.B. die Unterstützung zur Erlangung von Transferleistungen, allgemein: Hilfen zu einer autonomen Lebensführung) als Lern- und Bildungsprozesse rekonstruieren. Nach den Lern- und Bildungsprozessen der Fachkräfte hingegen wird wesentlich weniger oder gar nicht gefragt. An dieser Stelle setzt der kleine Artikel, der Ende Sommer erscheint, auch an: Unter einer empirischen Perspektive beleuchtet er den Subjektstatus sich bildender Fachkräfte in der Sozialen Arbeit. Erstmalig habe ich in diesem Artikel auch anhand von TBKS-codierten BeraLab-Daten gezeigt, wie unterschiedlich dabei die individuellen Voraussetzungen der LernerInnen sind und wie daraus – den Ideen der Bildungsgangforschung folgend – subjektiv einzigartige fachliche Entwicklungsaufgaben entstehen. Die daraus entstehende Perspektive werde ich sicherlich zusammen mit KollegInnen fortsetzen – das Programm ist dann, Theorien Sozialer Arbeit konsequent auf Funktion und Nutzen in Professionalisierungsprozessen zu untersuchen.

Schon gut beraten!? Erfassung und Förderung der Beratungs- und Gesprächsführungskompetenz – Nachlese zur GEBF 2018

Volles Beratungsprogramm 😉

Nun ist sie um, die Jahrestagung der Gesellschaft für empirische Bildungsforschung (GEBF). Dieses Jahr war die Tagung für mich aus mehreren Gründen bemerkenswert: Zum einen war sie in Basel, und damit in einem Land, in dem Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten eine grundlegend andere Art von Kooperation miteinander pflegen, und zum anderen lautete das Tagungsmotto „Professionelles Handeln als Herausforderung für die Bildungsforschung.“ Beides hat dazu geführt, dass das Handeln pädagogischer Akteure und Akteurinnen noch mehr als bisher im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses stand. Es herrschte eine angenehme Mischung zwischen Anwendungsforschung und nutzeninspirierter Grundlagenforschung, und das auch noch über die immer noch heimlich bestehenden methodologischen Gräben hinweg – vermutlich gab es noch nie so zahlreiche Beiträge auf einer GEBF-Tagung, die einen qualitativen Forschungszugang nutzen. Schade fand ich, dass ich keine weiteren Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen auf der GEBF gesichtet habe – und das, wo das Fach doch ansonsten großen Wert darauf legt, sich in die Trias aus Praxis, Politik und Wissenschaft kritisch mit einzubringen.

Beratungskompetenzentwicklung im Verlauf des Studiums (generalistische Studiengänge Soziale Arbeit, n=206, TBKS-codierte Werte)

In unserem Symposium haben wir sehr engagiert unsere Projekte vorgestellt (ich musste wegen Augustins Verhinderung leider alleine vortragen :-; ) , die anschließend von Martin Gartmeier einer umfangreichen Synthese unterzogen wurden (nochmals vielen Dank, das war super!). Spätestens da wurde deutlich, dass wir die Beratungssache schon enorm vorangebracht haben. Was vor einigen Jahren bezogen auf Forschung noch als etwas ausgebaute soziale Kompetenzen im nebenbei anderer pädagogischer Handlungsformen abgehandelt wurde, steht nun als eigene, durchaus kritisch zu hinterfragende Hilfeform im Fokus: Wie viel Beratungskompetenz brauchen pädagogische Fachkräfte? Wo endet Beratung aber auch, wenn sie wie beim Erziehen und Unterrichten nicht den Hauptteil der Arbeit ausmacht? Wie lassen sich Beratungskompetenzen in einem wissenschaftlichen Studium vermitteln und wie können sie psychometrisch belastbar erfasst werden? Welche Entwicklungsgesetze gelten, wenn man nicht auf die Zurichtung unreflexiven Sozialingenieurtums, sondern eine kritische Beratungsfachlichkeit abstellt?

Bei letzterer Frage war ich natürlich besonders gespannt, was die Fachkolleginnen und Fachkollegen zum BeraLab-Ansatz sagen würden – über die ausnahmslos positiven Rückmeldungen hierzu habe ich mich sehr gefreut, und das wird sicherlich ein Ansporn für unser Team, die Sache noch weiter auszubauen. Auf jeden Fall war es möglich, ohne sofortige ideologische Aufladung (die früher nicht selten von den übersimplifizierten Modellen einer bestimmten Lesart empirischer Bildungsforschung herausgefordert wurde) zu diskutieren.

 

Kann man in zwei Minuten ein Forschungsprojekt vorstellen? – Der Posterslam der DGFE-Tagung, Sektion Erwachsenenbildung 2017 :-)

Ob es ging – keine Ahnung. Aber es machte Riesenspass  – wir waren ´ne Menge Slammer und ich habe noch nie so viele interessante Poster spannender Kolleginnen und Kollegen in dermaßen kurzer Zeit gesehen. Mein Vortrag war eher langweilig – macht nix, dabei sein ist alles und es wehte ein sportlicher Geist.

Und klar, man konnte die Poster dann hinterher noch in Ruhe angucken. Vielen Dank an Cornelia Maier-Gutheil für das Video und die Organisation dieser tollen Tagung.