Open Access :-) – WSBT-Studie der EHD (finanziert durch die DGSF) ist online

Die DGSF unterhält ein tolles Wissensportal mit Studien zu systemischen Themen. Der neueste Zugang ist der erste Artikel aus unserer an der EHD durchgeführten WSBT-Studie (Wissensbildung in der Systemischen Beratung). Er ist im Kontext erstpubliziert  und wurde nun als ausgewählter Open Access-Beitrag von der DGSF frei im Netz veröffentlicht: Hier ist er (Henrich und Weinhardt, 2018) – viel Spass bei Lesen!

Was ist der Fall in der Fort- und Weiterbildung für systemische Beratung und Therapie?

„Was ist der Fall? Und was steckt dahinter? – Diagnosen in systemischer Theorie und Praxis“ ist das Motto eines spannenden Kongresses von Wilhelm Rotthaus, Tom Levold, Matthias Ohler, Hans Lieb und Bernhard Trenkle. Die Organisation durch interessierte Einzelpersonen und nicht durch Verbände hat ermöglicht, dass sich ganz unterschiedliche Standpunkte und Kontroversen getroffen haben. Mir hat mein Workshop (aka Vortrag mit Diskussion) sehr viel Spaß gemacht, weil die Veranstalter mir erlaubten, dem Diagnosethema einen ziemlichen Dreh zu verleihen. Interessiert haben mich nämlich hier weniger der (intellektuell sehr anregende) Diskurs um Chancen und Grenzen von Diagnosen als Beobachtungen erster und zweiter Ordnung oder die sozialpolitischen Konsequenzen des Diagnostizierens, sondern die Frage: Wer diagnostiziert eigentlich die Diagnostiker? Wissen wir genug über Lern- und Bildungsprozesse hin zur Beratungs- und Therapiefachkraft? Haben wir ausreichende Orientierung darüber, wie wir systemische Fachleute ausbilden sollen?

Gerade mit der zunehmenden Anerkennung und Etablierung des systemischen Denkens rückt für mich die Frage in den Vordergrund, ob das Ausbildungswesen Schritt halten kann. So gibt es u.a. bezüglich der Übertragung von Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Evaluationsstudien die Frage, inwiefern der „Pioneering Spirit“ derjenigen Berater*innen und Therapeut*innen, die in diesen Studien mitarbeiten, einen Beitrag zum Ergebnis leisten, der später nicht ohne weiteres übertragbar ist. Denn logischerweise sind Studientherapeut*innen- und Berater*innen in der Regel hochgradig affiziert von ihrem Verfahren, das sie sich in der Regel in mehrjährigen komplexen Lern- und Bildungsprozessen, oft unter Nutzung herausfordernder Fälle und Kontexte, angeeignet haben.

Bieten wir unseren Ausbildungskandidat*innen ähnlich spannende Lern- und Bildungsarrangements? Wird es vielleicht gar Zeit, über eine konsistente, bildungstheoretisch fundierte Didaktik der Beratungs/Therapiefort- und weiterbildung nachzudenken? Insbesondere dann, wenn gerade diskutiert wird, die Therapeut*innenausbildung wieder an die Hochschulen zurück zu holen?

Die Diskussion im Workshop hat hier gezeigt: Es gibt gute Ideen, wichtige kritische Stimmen – und das Thema ist derzeit nicht genügend bearbeitet. Wer nachlesen mag: Den Foliensatz gibt´s auf Researchgate und im Downloadbereich.

Entwicklungsaufgaben junger Berater*innen: Die eigene Herkunftsfamilie

Viel wird geredet darüber, ob die Thematisierung der eigenen Person im Rahmen von Studium und Weiterbildung in Humandienstleistungsberufen überhaupt notwendig ist. Während die einen solche Forderungen als Relikte einer vergangenen Zeit des „Psychobooms“ ansehen und an Baumumarmung, Schwitzhüttenbau und Seminare mit vielen Tränen auf dem heißen Stuhl denken, machen andere Belege aus der Wirkfaktorforschung stark. Dann rückt das zielgerichtete Herstellen einer heilsamen Arbeitsbeziehung und die Erzeugung von Selbstwirksamkeit in den Mittelpunkt von Beratung und Therapie, wie das Bruce Wampold in seinen Metaanalysen deutlich belegt.

Bezogen auf die Ausbildung systemischer Berater- und Therapeut*innen ist dann die Frage gestellt, ob das Bearbeiten der Loslösung von der eigenen Herkunftsfamilie eine fachliche Entwicklungsaufgabe ist, die Inhalt subjektorientierter Professionalisierung werden muss. In einer Untersuchung im BeraLab haben wir dazu eine Antwort gefunden, die diese Vermutung bestätigt. Der Artikel findet sich im neuen Sammelband von Christine Wiezorek und Petra Bauer zu Familienbildern zwischen Kontinuität und Wandel und zeigt, dass die Berarbeitung eines Beratungsfalles zum Thema „Familie“ für jüngere Berater*innen siginifikant schwerer ist als die Bearbeitung eines Kontrastfalles zu einem anderen Thema.

Professionalisierungsprozesse sind und bleiben also immer auch eine wissens- und erfahrungsgestützte Reise zu einem selbst – was die Sache reizvoll, aber auch didaktisch komplex macht.

Wissensbildung in der Systemischen Beratung und Therapie – neue Studie gestartet

Diese Woche beginnt die Arbeit an einer neuen Studie, auf die ich mich lange gefreut habe: In der von der DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) finanzierten Untersuchung interessieren wir uns für die Frage, wie und und in welcher Form (zukünftige) systemische Fachkräfte in und durch ihre Weiterbildung gemäß des Curriculums der DGSF einen Wissenszuwachs erfahren. WSBTDie Studie ist im klassischen NovizInnen-ExpertInnen-Paradigma angelegt und wir interessieren uns im ersten Schritt für die Phase zwischen Beginn und Abschluss der Fort- und Weiterbildung zum/zur Systemischen BeraterIn (DGSF).

Unter der übergeordneten Frage der Professionalisierung von psychosozialen Fachkräften rücken damit Effekte von Fort- und Weiterbildung in Beratung und Therapie in den Fokus, die bisher wenig systematisch untersucht sind. Eine vernnünftig betriebene Weiterbildungsforschung kann in diesem Bereich den Diskurs um die Wirksamkeit von Methoden und Verfahren sicherlich bereichern.

Eine ausführliche Projektbeschreibung findet sich auf Researchgate.