Forschung

Im Zentrum meiner erziehungswissenschaftlichen Forschung im Kontext Sozialer Arbeit steht die Frage nach professionellem pädagogischem Handeln und seiner wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Legitimierbarkeit. Die fortschreitende Ausdifferenzierung pädagogischer Handlungsfelder und die damit einhergehende Heterogenisierung von Institutionen und Handlungskonzepten macht es dabei erforderlich, stärker die subjektorientierte Seite von Professionalisierungsprozessen pädagogischer Fachkräfte vor dem Hintergrund ihrer strukturellen Bedingtheiten in den Blick zu nehmen. Eine integrative Perspektive aus Kompetenz-, Expertise- und Professionsforschung erlaubt in diesem Zusammenhang, sowohl unterschiedliche berufsbiographische Phasen als auch differente Lern- und Bildungskontexte zu berücksichtigen.

 

Laufende Forschungsprojekte:

EVASYKO (Evaluation systemischer Konzepte in nicht heilkundlichen Kontexten)

EVASYKO untersucht systematisch entlang von für die Soziale Arbeit adaptierten Evidenzkriterien (Otto, Polutta und Ziegler 2010) alle auffindbaren Projekte in der Kinder- und Jugendhilfe, die auf systemische Konzepte Bezug nehmen und idealerweise wissenschaftliche begleitet werden. EVASYKO wird  von der DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) finanziert. Die Untersuchung leistet einen wichtigen Beitrag um Soziale Arbeit, mit der sich systemisches Denken vor allem in Deutschland gemeinsam erfolgreich gemeinsam entwickelt hat, nach der Debatte um die sozialrechtliche Anerkennung als Psychotherapieverfahren wieder vermehrt in den Blick zu nehmen.

wiss. Mitarbeit: Dipl.-Päd. Rebbecca Hilzinger; Dipl.-Päd. Marlene Henrich, stud. Christina Dietrich

ProfiL – Professionalisierung durch Beratung im Lehramtsstudium, zusammen mit Petra Bauer, finanziert durch das BMBF

Das Projekt ProfiL gehört als Teilprojekt zum Schwerpunktbereich Professionalisierung, mit dem im Rahmen der Tübinger School of Education (TüSE) neue Lehr- und Lernformen in der Lehrerbildung entwickelt und erprobt werden. Die EHD liefert für dieses Projekt die notwendige Expertise im Bereich psychosoziale Beratung. Im Rahmen von ProfiL werden ergänzende, in Kleingruppen durchgeführte professionsbezogene Beratungsangebote für Lehramtsstudierende konzipiert, koordiniert und evaluiert. Diese spezielle Form der professionsbezogenen Beratung zielt auf die individuelle Unterstützung bei der…

  • Reflexion der Motive der Berufswahl Lehrer_in
  • Klärung der (antizipierten) Berufsrolle
  • produktiven Integration verschiedener Wissensarten aus unterschiedlichen Lernorten (Universität, Praxis, informelle Lernorte)
  • Vermittlung von erworbenem fachspezifischem und pädagogischem Wissen, (berufs-)biographischen Erfahrungen und ersten Praxiserfahrungen in der Schule

Dieses Programm wird umgesetzt in einem studienbegleitenden Beratungsformat mit kleinen Gruppen, die von externen Fachkräften geleitet werden. Es geht darum, einen bewertungsfreien Reflexionsraum zu schaffen, der dazu genutzt werden kann, den berufsbiographisch bedeutsamen Entwicklungsprozess auf dem Weg zu einer professionellen Lehrer_innenidentität individualisiert zu begleiten. Das Konzept von ProfiL ist wissenschaftlich begründet und orientiert sich an aktuellen Befunden und Modellen aus der schulbezogenen Professionalisierungs- und Kompetenzforschung und der Beratungsforschung. ProfiL setzt sich aus zwei Projektbausteinen zusammen: Es geht zum einen um (a) die Entwicklung und Implementierung dieses für die Lehramtsstudierenden der Universität Tübingen neuartigen professionsbezogenen Beratungsangebotes sowie (b) die Beforschung der stattfindenden berufsbiographischen Entwicklungen und Effekte dieses Beratungsangebotes im Rahmen eines Mixed-Method-Ansatzes.

wiss. Mitarbeit: Kristin Carfagno, M.A.; Dipl.-Päd. Aline Christ; Kathrin Kniep, M.A.; Marie Thomas, M.A.; Markus Urban, M.A.,

WSBT (Wissensbildung in der Systemischen Beratung und Therapie), finanziert durch die DGSF

Untersucht werden drei Stadien systemischer Wissensbildung: NovizInnen (zu Beginn der systemischen Weiterbildung), beginnend Kompetente (am Ende der 2/3jährigen Fortbildung) sowie ExpertInnen (dauerhafte, schwerpunktmäßige Tätigkeit > 7 Jahre in der systemischen Beratung und Therapie). Im Rahmen einer klassischen Prompting-Task Studie (Strasser 2006; Strasser und Gruber 2015) werden einer Stichprobe (n=30) der drei ex ante unterschiedene Gruppen Begriffe zu 10 zentralen Konzepten aus der systemischen Beratung vorgelegt. Die ProbandInnen werden dabei standardisiert dazu aufgefordert, die jeweilige Fragestellung im Sinne des „lauten Denkens“ (Think Aloud, Boshuizen et al. 2004, Strasser 2006,) zu erläutern. Die so entstehenden Daten werden inhaltsanalytisch codiert und methodenintegrativ ausgewertet.

wiss. Mitarbeit: Dipl.-Päd. Marlene Henrich, stud. Christina Dietrich

BERIN (Beratungsbedingte Internetnutzung psychosozialer Fachkräfte), zusammen mit Richard Reindl (TH Nürnberg)

Untersucht wird im Rahmen einer standardisierten Befragung durch einen Onlinefragebogen die private und berufliche Internetnutzung psychosozialer BeraterInnen. Während in den letzten Jahren ein ständig größer werdender Korpus an Studien zur Mediennutzung von AdressatInnen Sozialer Arbeit vorliegt, ist über die Internetaffinität der Fachkräfte bisher wenig bekannt.

wiss. Mitarbeit: Emily Engelhardt, MA (TH Nürnberg), Dipl.-Päd. Marlene Henrich, Sigrid Zauter, MA (TH Nürnberg) stud. Christina Dietrich

EZIB (Evaluation des Evangelischen Zentrums für interkulturelle Bildung), zusammen mit Renate Zitt, finanziert durch Dekanat Rüsselsheim, Zentrum für Ökumene und Kirchenleitung der EKHN 

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitung wird die Konzeption und Implementierung des Evangelischen Zentrums für interkulturelle Bildung in Möhrfelden evaluiert. Zum Einsatz kommen hierbei eine Sozialraumanalyse, Stakeholder*inneninterviews, eine Adressat*innenbefragung und die pädagogische Wirkungsforschung bezüglich von Einzelmaßnahmen wie der Hausaufgabenhilfe.

wiss. Mitarbeit: Dipl.-Päd. Marlene Henrich, stud. Christina Dietrich

BeraLab® (Beratungslabor zur kompenzorientierten Lehre und Forschung in der psychosozialen Beratung)

BeraLab® ist eine Simulationsumgebung für psychosoziale Beratung, in der Studierende der Sozialen Arbeit, der Psychologie und verwandter sozialwissenschaftlicher Domänen prototypische Beratungssituationen in einer realitätsnahen Lern- und Übungsumgebung erfahren können. BeraLab folgt zentralen Konzepten aus der Professionalisierungsforschung und verbindet Übung, Therieaneignung und Reflexion in einem Konzept der personengebundenen fachlichen Enwicklungsaufgaben. Auf den folgenden Unterseiten finden Sie weiterführende Informationen zum Thema Lehren, Lernen und Forschung mit Simulation in der psychosozialen Beratung, zur Einbindung des BeraLabs in ein innovatives Seminarkonzept (KES, Kompetenzerwerb in der systemischen Beratung), und der TBKS, einem hoch inferenten Instrument zur Erfassung psychosozialer Beratungskompetenz, das im BeraLab entwickelt wurde.

wiss. Mitarbeit: Dipl.-Päd. Marlene Henrich

WIKIP (Wissensbildungsprozesse von Kindheitspädagog*innen im Praktikum), zusammen mit Holger Jessel und Ute Müller-Giebeler, finanziert durch die EH Darmstadt

WiKiP fragt nach Wissensbildungsprozessen angehender Kindheitspädagog*innen. Untersucht werden im Rahmen einer qualitativen Studie Daten, die in der Praktikumsphase von Student*innen des BA Childhood Studies erhoben wurden: (a) Antworten auf eine standardisierte Critical Incident-Aufgabe zu als relevant erlebten Situationen im Praktikum, (b) von den Student*innen für die Praktikumsreflexion aufbereitete Anliegen für die Praxisreflexion sowie (c) die Praxisreflexion selbst, die in Form eines Gruppenchats als kollegialen Beratung auf einer Onlineplattform stattfindet.
Die Praktikumsphase ist hierbei aus einer integrativen Perspektive von Professions-, Expertise- und Kompetenzforschung deshalb besonders aufschlussreich, weil in ihr unterschiedliche Formen von Lern- und Bildungsprozessen realisiert werden, deren interdependente Strukturierungen (z.B. Wechselwirkungen zwischen Person und Organisation oder Theorie und Handlung) vor allem für die Ausbildung wissenschaftlich gebildeter Praktiker*innen besonders bedeutsam sind.
Während für viele pädagogische Berufe solche Studien zur Wissensbildung vorliegen, beispielsweise für die Lehrerbildung (Cramer 2012) oder die Soziale Arbeit (Becker-Lenz et al. 2013), sind kindheitspädagogische Studiengänge in diesem Punkt bisher wenig erforscht.

wiss. Mitarbeit: Dipl.-Päd. Marlene Henrich

 

Abgeschlossene Forschungsprojekte (Auswahl):

NEE-BW (Lern- und Bildungsprozesse durch ehrenamtliches Engagement), finanziert durch die Landesstiftung Baden-Württemberg, wiss. Mitarbeit: Markus Urban (M.A.), Janina Baaken (M.A.)

BKIL (Beratungskompetenz im Längsschnitt), finanziert durch die Universität Tübingen

TIO (Trägerspezifische Implementierung von Onlineberatung), finanziert durch den Internationalen Bund (IB), wiss. Mitarbeit: Andrea Müller (M.A.)

EPBB (Evaluation Psychosozialer Beratung im Landkreis Böblingen), finanziert durch das Jugendamt Böblingen, wiss. Mitarbeit: Andrea Müller (M.A.)

ÖKOLL (Ökumenisches Lehren und Lernen), finanziert durch die katholische und evangelische Landeskirchen Baden-Württemberg, zus. mit Prof. Dr. Sabine Pemsel-Maier, Prof. Dr. Joachim Weinhardt

E-Mail-Beratung als innovative Hilfeform in der Sozialen Arbeit

Psychosoziale Belastung von Peerberatern am Beispiel des Projektes youth-life-line, zus. mit Dr. Gottfried Maria Barth, Dipl.-Päd. Suanne Denoix, Dipl.-Psych. Franz Josef Kimmig