Wie ich eine Freundin aus meiner Kindheit wiedergetroffen habe und was das mit digitaler (Un)kultur zu tun hat

Eine EL 34 in einem Single-Ended-Verstärker
Eine EL 34 in einem Single-Ended-Verstärker

Neulich habe ich eine alte Freundin aus meiner Kindheit wiedergetroffen. Dieses Treffen habe ich gezielt arrangiert, und es hat ganz unmittelbar mit einigen Gedanken zu digitaler (Un)kultur zu tun. Sie ist ein wenig kräftig gebaut, war schon in meiner Kindheit nicht mehr up to date und verhält sich gemessen an heutigen Maßstäben nicht nachhaltig. Die hübsche EL 34 ist eine 1949 entwickelte Elektronenröhre, die bis heute weiterlesen

Ausgeblended: Analytische Perspektiven auf Räume der Beratung im Zeitalter der Digitalität.

Drei Bücher zu Raum (Martina Löw: Raumsoziologie; Markus Schroer: Räume, Orte, Grenzen; Sefan Günzel: Raum)
Lohnt sich: Nachdenken über Räume in der Beratung

Wir nähern uns einer postpandemischen Zeit, zu der gehören wird, Perspektiven auf Transformationsprozesse sozialpädagogischer Hilfen zu entwickeln, die sich aufgrund der Pandemie ergeben haben (Weinhardt 2020). Ein besonders spannendes Exempel ist dabei Beratung, denn sie verfügte als einzige sozialpädagogische Hilfeform schon vor der Pandemie über eine Geschichte weiterlesen

Auf dem Teppich bleiben: Neues Forschungsprojekt zu sozialpädagogischen Hilfen aus Kindersicht (SoHiKis)

Wie konzeptualisieren Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren eigentlich aus ihrer Sicht das, was die erwachsenen Professionellen sozialpädagogische Hilfebedarfe nennen? Und wie bringen sie diese Konzepte in (Nicht)passung zu vorhandenen, im SGB VIII definierten sozialpädagogischen Hilfen? Was würden sie sich anders wünschen? Und spielt dabei Digitalität eine Rolle?

Trotz Pandemie und irrsinniger Mehrarbeit was den wissenschaftlichen Alltag betrifft, konnten wir unser neues Forschungsprojekt zu diesen Fragen starten. In bewährter Manier ist es eine Kooperation mit Markus Emanuel (h_da) und Katharina Gerarts (KRI), wird mit viel inhaltlicher Freiheit von der Bertelsmann Stiftung gefördert und von einer Gruppe engagierter junger Forscherinnen (Luisa Dominke, Alina Matan, Laura Strauf, Magdalena Wahl und Neha Weiher) mit durchgeführt. Wir haben den Projektbeginn mehrmals verschoben, weil wir für die Datenerhebung mit den Kindern in Präsenz forschen müssen, und nun waren wir mutig genug für den Start. Und es sieht trotz Omikronwelle gut aus, die beiden Praxispartner aus Hessen und Rheinland-Pfalz können uns einen stabilen Feldzugang ermöglichen.

BiBesch: Spielteppich mit Strassenmuster und nummerierten Gebäuden
Fantasiestadt Caretown für die Darstellung der Hilfen aus dem SGB VIII als Spielteppich

Und was machen wir genau? Wir bringen je drei bis fünf Kinder in altersdifferenzierten Workshops (6 bis 8 Jahre, 9 bis 11 Jahre, 12 bis 14 Jahre) zusammen. Diese Workshops haben zwei Phasen: In der ersten Phase können die Kinder ausgehend von einem Vignettenimpuls aus ihrer Perspektive entfalten, wie es einem Kind geht, das in typische Schwierigkeiten wie die Trennung der Eltern, Ärger in der Schule etc. gerät. Im zweiten Workshopteil stellen wir für die Kinder die im SGB VIII definierten Hilfen dar, und genau dabei bleiben wir (zunächst) auf dem Teppich. Wir stellen dazu in der Fantasiestadt Caretown die sozialpädagogischen Hilfen vor und lassen die Kinder im Anschluss spielerisch auf Basis der ersten Workshopphase mit dieser Hilfelandschaft interagieren. In einem zweiten Studienzweig geht es dabei nicht nur um Hilfen im physischen Raum, sondern auch um digitale Angebote und die spannende Frage, ob und wie Kinder diese konzeptualisieren und ob sie diese beispielsweise in Verbindung zur Fantasiestadt Caretown bringen oder als einen Raum eigener Art oder hybride Form auffassen. Über solche Digitalitätskonzepte von Kindern bezüglich Sorgearbeit und sozialpädagogischen Hilfen ist bisher so gut wie nichts bekannt.

Die Daten generieren wir mit einer multiperspektivischen Kameraethnografie und werten sie mit der dokumentarischen Methode aus, um die Praktiken der Kinder in der Herstellung von Sorge- und Hilfekonzepten sowie die Bezugnahmen zur Hilfelandschaft tiefenscharf in den Blick zu bekommen. Zusammen mit dem Vignettenimpuls und dem Hilfeteppich Caretown (ergänzt mit Duplo-Spielmaterial) hoffen wir auf diese Weise, einen tragfähigen explorativen Zugang zu unseren Forschungsfragen realisieren zu können. In einem parallel stattfindenden Masterseminar haben zudem Studierende die Möglichkeit, weitere innovative Workshopformate zu entwickeln.

Wer also in der Sozialpädagogik I an der UT demnächst über Duplosteine und zusammengerollte Auslegware stolpert, muss sich keine Sorgen machen. Wir bleiben auf dem Teppich.

Avatare und Virtuelle Realität im Beratungslernen: Sie kommen auch hier, die digitalen Dinge

Bibesch: Link zum Foliensatz. Ein Beratungszimmer mit einer Kamera
Vortragsfolien

Die zweite Berner Beratungstagung ist um, die von Esther Abplanalp und Michael Zwilling ausgerichtet wurde und aufgrund der Pandemie perfekt digital organisiert war. Die Tagung stellte dabei einen der seltenen und nicht planbaren Kristallisationspunkte dar, an denen sich weiterlesen

Sozialpädagogische Digitalität und Doing Digitality: Zu den digitalen Sachen selbst

Doing Digitality (Weinhardt 2021: 7)

Derzeit bekomme ich sehr viel Post (Danke!) zum Konzept der sozialpädagogischen Digitalität und der zugehörigen Denkfigur von Doing Digitality. Einige Texte sind schon erschienen (hier und weiterlesen

Digitale Alltagspraktiken in der Pandemie: Erste Ergebnisse unseres Forschungsseminars

Nun ist es um, ein weiteres digitales Sommersemester, das hybrid geplant und letztendlich doch digital realisiert wurde. Wie die pandemischen Semester zuvor habe ich wieder viel gelernt, und unter anderem auch, wie Forschung und Lehre unter diesen Bedingungen in einer handlungsorientierten Sozialwissenschaft funktionieren können. Einem forschungsorientierten Masterseminar, zu dem ich schon gebloggt habe, war das Thema Digitalität  thematisch weiterlesen

Virus, Tinder, Thermomix: die Transformation digitaler Alltagspraktiken in der Pandemie

Noch immer wird fleißig aufgrund der Pandemie digitalisiert – demnächst der Impfausweis, und vermutlich auch wieder das kommende Wintersemester. Digitalisierung meint dabei einen mehr oder weniger rational gesteuerten und an Organisation gebundenen Prozess in der Nutzung digitaler Dinge.

In einem aktuellen Masterseminar gehen wir hingegen in kleinen Forschungsprojekten einer anderen Frage nach. Uns interessiert, inwiefern sich im Horizont von Alltagsbewältigung auch eine Kultur der Digitalität weiterlesen

Digitalität in der handlungsorientierten Lehre. Eine Pilotstudie in hybriden Räumen zur Vermittlung systemischer Timeline- und Tetralemmatechniken. [Teil 5: Diskussion]

Lessons learned? Einige der Erkenntnisse sind für mich unmittelbar handlungsleitend, andere werfen die typischen weiterführenden Fragen explorativer Studien auf und es macht Spaß, diesen Gedanken in der essayistischen Freiform einer Blogpublikation nachgehen zu können.

Wichtig scheint mir, bei der Bilanzierung zunächst Fragen der Repräsentativität zu thematisieren. Die Untersuchung war als Feldstudie unter den aktuellen Praxisbedingungen zwangsdigitaler Lehre konzipiert. Sie wäre in dieser weiterlesen

Digitalität in der handlungsorientierten Lehre. Eine Pilotstudie in hybriden Räumen zur Vermittlung systemischer Timeline- und Tetralemmatechniken. [Teil 4: Einschätzungen zum Beratungsüben]

Wie haben die übenden Studierenden das Lehrangebot wahrgenommen? Die Selbsteinschätzungen zu diesem Fragenkomplex werden hier deskriptiv bezogen auf die Einzelitems berichtet, die nach thematischen Kategorien geordnet sind, das Skalenformat ist in Teil drei, FN1, beschrieben.

Für den Einstieg in die Übung musste eine Rolle ausgesucht und innerhalb der Kleingruppe abgestimmt werden, was den Studierenden angesichts hoher und einheitlicher Zustimmungswerte nicht schwergefallen ist (Tab. eins).

Tabelle 1: Rollenwahl und Kleingruppenarbeit
  M SD
Mit der Auswahl meiner Rolle war ich zufrieden. 4.5 .7
Die Abstimmung in der Kleingruppe war schwierig. 1.6 1.0

Hierzu weiterlesen

Digitalität in der handlungsorientierten Lehre. Eine Pilotstudie in hybriden Räumen zur Vermittlung systemischer Timeline- und Tetralemmatechniken. [Teil 3: Teilnahmepraktiken]

Was lässt sich entlang der empirischen Daten über die Teilnahmepraktiken der Studierenden sagen? Die Mehrzahl (68 %) studiert mit dem Studienschwerpunkt Sozialpädagogik, ein kleiner Teil (9 %) mit dem Schwerpunkt Organisationspädagogik, ein weiterer kleiner Teil war unentschlossen (9 %). Die meisten der Befragten haben die Lehrveranstaltung im dafür vorgesehenen 5. Semester absolviert (91 %), ein geringer Teil (je 5 %) im 7. bzw. 9. Semester. Zu diesem Bild passt, dass 32 % der Studierenden weiterlesen